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Galerie Klaus Gerrit Friese

Gesprächsreihe »Über Kunst« – 4. Termin in der Galerie Klaus Gerrit Friese am 12. Mai 2009 mit Rudolf Scharpff

Viel wird über die Bedeutung von Kunst in der Gesellschaft diskutiert. Unter dem Titel »Über Kunst« konzipieren wir in Zusammenarbeit mit den Stuttgarter Nachrichten eine eigene Veranstaltungsreihe.

Unser Gast war am Dienstag, den 12. Mai 2009, der Stuttgarter Sammler Rudolf Scharpff im Gespräch mit dem Leiter des Feuilletons der Stuttgarter Nachrichten, Nikolai B. Forstbauer.

zwei Herren auf dem Podium vor einem Gemälde Nikolai B. Forstbauer (links) im Gespräch mit Rudolf Scharpff (Fotos: Frank Kleinbach)

In der Krise liegt die Chance: 1967 begrüßten Rudolf und Ute Scharpff, die begonnen hatten, Kunst zu sammeln, Hans-Jürgen Müller bei sich zu Hause, damaliger Star unter Stuttgarts Galeristen. Plötzlich schien alles infrage gestellt. Würde der Freund und Helfer der Avantgarde dem Ehepaar nahelegen, alles bisher Gesammelte rauszuwerfen? Er spürte unsere Unsicherheit, erinnerte sich Rudolf Scharpff. Als Gast in der Gesprächsreihe Über Kunst in der voll besetzten Galerie versucht Scharpff an diesem Abend, im verzwickten Beziehungsgeflecht zwischen dem Sammler, dem Museum, dem Galeristen und dem Künstler Orientierung herzustellen.

Das längst international bekannte und agierende Sammlerehepaar nützte seine Chance. Müller hatte seinen Gastgebern mit Schlüsselfragen wie Was und wohin willst du? Was willst du bewegen? zu einem Fundament verholfen, das heute noch trägt. Auch von Siegfried Cremer, seinerzeit leitender Konservator der Staatsgalerie, später Professor in Düsseldorf, vor allem aber selbst Sammler, kam Rat und Hilfe. 1973 gab es die erste Präsentation in der Staatsgalerie.

Besucher des Vortrags sowie der Gast In der vorderen Reihe links: Galeristin Edith Wahlandt, Ehepaar Manz, Eva Scharpff (von links)

Es fehlte nicht an qualifizierten Gesprächspartnern wie Max Hetzler, Ex-Stuttgarter Galerist, Schmela in Düsseldorf, wichtige New Yorker Adressen. Scharpffs wussten, was sie wollten. Da wurde für einen Robert Gober auch mal ein großer Richter geopfert. Man muss früh dran sein, dann kann man was bewegen, lautet das Rezept der Scharpffs. 1997 begann die Kooperation mit der Hamburger Kunsthalle, die bis 2007 Bestand hatte. Sie haben Kunst, aber keine Räume, lockte der Kunsthallenchef Uwe M. Schneede die Scharpffs, die mit ihren Leihgaben Hamburgs Erweiterungsbau bestückten. Mit Stuttgarts damaligem Staatsgaleriechef Peter Beye sei das abgesprochen gewesen – kein Affront also gegen Stuttgart.

Blick durch das Fenster auf die Gesprächsteilnehmer

Misstrauen pflegten Sammler allenfalls untereinander, beim Verdacht etwa, dass museale Präsentationen sich wertsteigernd auswirkten. Doch schade ein museales Gastspiel von zu langer Dauer eher. Das Interesse lasse dann nach. Das Kommen und Gehen von Kunst gehöre dazu. Darum dienten ihre Kontakte zur Kunsthalle Hamburg, zu den Kunstmuseen in Bonn und Stuttgart und zur Staatsgalerie dem Prinzip des offenen Depots. Hauptsache, es wird junge Kunst gezeigt. In Anbetracht sinkender Museumsetats wird das nicht leichter. Nicht einmal für Reisen sei genug Geld da.

Galerist Friese Galerist Klaus Gerrit Friese unter den Zuhörern

Rudolf Scharpff fragt: Kann solch ein Museum, das (deswegen) nicht sammelt, noch Deutungshoheit für sich in Anspruch nehmen? Denn: Die besten Bilder gehören ins Museum! Darum gibt es Wechsel, darum werden ganze Werkblöcke verbannt. Künstler malen ja auch nicht nur gute Bilder. Gegenbeispiel: Von Robert Gober, mit Jeff Koons zusammen ein Star der Sammlung Scharpff, sind zentrale Werke zehn Jahre lang in Hamburg gezeigt worden. Jetzt erhält der Scharpff-Block auf Wunsch Gobers in Chicago eine neue Heimstatt. Es sei wohl genug gesehen, aber nicht verstanden worden.

Blick durch das Fenster auf die Zuhörer

Zum richtigen Zeitpunkt günstig einsteigen, mit Gewinn aussteigen und dann erneut richtig setzen: So etwa lautet Scharpffs Rat an junge Sammler – dann wird das Unmögliche bezahlbar. Nicht zu reden von der Neugier, mit der seine Generation gesegnet gewesen sei. Unverzichtbar auch der Instinkt für gute Leute. Scharpff verweist auf den Leipziger Maler Neo Rauch, der es bis ins Metropolitan in New York schaffte. Danach habe es einen Durchhänger gegeben, meint Scharpff. Doch dann malte Rauch die Ordnungshüter, das Gemälde, das Ute und Rudolf Scharpff eigens für die Staatsgalerie angekauft und dem Museum geschenkt haben – ein Impuls, der vielleicht andere Sammler animiert. So viel Souveränität muss sein: Was gibt es Schöneres, als im Unternehmen Kunst allein entscheiden zu können! Außerdem gehört Rauch neben Beckmann, also nach Stuttgart. Obendrein ist nicht nur Rauch Leipziger, auch Beckmann ist es. Ute und Rudolf Scharpff aber sind aus Überzeugung Stuttgarter.

Wir danken den Stuttgarter Nachrichten für den Text. Dort sind auch weitere Informationen und Bilder zu finden.

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