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Galerie Klaus Gerrit Friese

Gesprächsreihe »Über Kunst« – 7. Termin in der Galerie Klaus Gerrit Friese am Dienstag, den 12. Januar 2010, mit Ute Meta Bauer

Viel wird über die Bedeutung von Kunst in der Gesellschaft diskutiert. Unter dem Titel »Über Kunst« konzipieren wir in Zusammenarbeit mit den Stuttgarter Nachrichten eine eigene Veranstaltungsreihe.

Zu Gast war am 12.1.2010 Ute Meta Bauer, Co-Kuratorin der Documenta XI und seit 2005 Professorin am Massachusetts Institute of Technology in Cambridge in den USA sowie Leiterin des Künstlerhauses Stuttgart von 1992 bis 1994. Sie sprach über den Dialog als Arbeitsprinzip.

„Streitkultur ist ein kreativer Prozess“

zwei Personen auf dem Podium Nikolai B. Forstbauer im Gespräch mit Ute Meta Bauer (Fotos: Frank Kleinbach)

Nicht jeder Kulturschaffende, der Stuttgart verlassen hat, wird bei seiner Stippvisite in der Heimatstadt so herzlich begrüßt. Die Galerie Klaus Gerrit Friese, nun bereits zum siebten Mal Bühne für die Veranstaltungsreihe Über Kunst der Stuttgarter Nachrichten, platzte aus allen Nähten. Mehr als 100 Besucher, darunter auffallend viele Galeristen, Institutionsleiter, Akademie-Professoren und Künstler, waren gekommen, um die gebürtige Stuttgarterin wiederzusehen – und vor allem: wiederzuhören.

zwei Personen im Gespräch Ute Meta Bauer im Gespräch mit Prof. Hans Dieter Huber

Viele der Anwesenden haben Bauer als künstlerische Leiterin des Künstlerhauses Stuttgart in den Jahren 1990 bis 1994 noch in Erinnerung, andere kennen sie als Co-Kuratorin der Weltkunstausstellung Documenta XI, 2002 in Kassel. Dass Ute Meta Bauer gleich nach der Vorstellung durch Moderator Nikolai B. Forstbauer, Kulturressortleiter der Stuttgarter Nachrichten, ihre einstigen Miststreiterinnen und Mitstreiter der auch als Ausstellungsort, Verlag und Kunstschule bekanntgewordenen Wohngemeinschaft Neue Weinsteige 10 – wie Annette Gmeiner und Rudolf Bumiller – alle namentlich erwähnt, spricht für sich.

Ehre, wem Ehre gebührt. Stuttgart und seine Prägung durch Künstler, Philosophen und Verleger sei eine entscheidende Anregung zur Durchführung der Gesprächs-Plattformen im Vorfeld der Documenta XI gewesen. Die reflexive Ebene ist für mich ganz selbstverständlich, sagt Bauer. Und dass gute Kunst immer auf die Veränderungen in der Gesellschaft reagiere.

Besucher des Vortrags links: Galerist Klaus Gerrit Friese im Gespräch mit Prof. Klaus Lehmann, ehemals Präsident der Stuttgarter Akademie | rechts: über 100 Gäste fanden den Weg in die Rotebühlstraße

Mit leuchtenden Augen erzählt sie dann von Otto Piene, in Düsseldorf Zero-Künstler der ersten Stunde und von 1974 an Direktor des Center for Advanced Visual Studies am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Cambridge. Ute Meta Bauer leitet seit 2005 das Visual Arts Program im Department of Architecture an ebendiesem Institut und ist seit 2009 Gründungsdirektorin von ACT – Program in Art, Culture and Technology. Eine Schaltstellenposition, an und in der Bauer gleichwohl ihrem Prinzip der offenen Akademie treu bleibt, das sie bereits während des Studiums an der Hamburger Kunsthochschule begründete und später als Professorin in Wien bestätigte. Während ihre Kollegen lamentieren, dass freie Forschung heute kaum noch möglich sei, sieht sie es als ihre Aufgabe an, Leute aus anderen Disziplinen mit reinzuholen und weg vom rein zielorientierten Arbeiten zu kommen. So arbeitet Ute Meta Bauer am MIT bei aktuellen Projekten nicht nur mit Architekten, sondern auch mit Designern und Medizinern zusammen.

Besucher des Vortrags im rechten Bild Hans Dieter Huber, Klaus Lehmann und Kurt Weidemann (von links)

Eine aktuelle Fragestellung liefert ein Beispiel: Wie kann man für Autisten mit künstlerischen Mitteln eine Umgebung herstellen, in der sie sich wohlfühlen? Die Lösung – Möbel, die den Körper enger umfassen – entsteht aus dem skulpturalen Denken. Dass Ute Meta Bauer das Bauhaus als Einfluss für die Arbeit am MIT wie auch für ihr Denken überhaupt erwähnt, verwundert kaum. Es ist wichtig, den Kunstbegriff lebendig zu halten, sagt sie. Eine Unterscheidung zwischen der Arbeit von freien Künstlern, Designern und Videoclip-Regisseuren möchte sie hierbei nicht machen: Wir brauchen in allen Bereichen eine kreative, kritische Auseinandersetzung. Dass momentan in vielen Städten Studenten auf die Straße gehen, um gegen Stellenstreichungen und Kürzungen im Bildungsbereich zu demonstrieren, beurteilt sie äußerst positiv: Demokratie findet nur dann statt, wenn man ständig an ihr arbeitet. Streitkultur ist für mich ein kreativer Prozess – und der gehört an die Hochschule.

Blick durch das Fenster auf die Zuhörer

Was das Publikum an diesem Abend sehr wohlwollend zur Kenntnis nimmt: Obwohl Ute Meta Bauer in den USA lebt und sehr oft für Vorträge und Recherchen die ganze Welt bereist, beobachtet sie die Geschehnisse in Stuttgart nach wie vor aufmerksam. Die hiesige Artparade gegen die geplanten Kürzungen im Stuttgarter Kulturhaushalt erwähnt sie ebenso anerkennend wie den Filmwinter und die mit Plattformen wie Hermes und der Pfau verbundenen Präsentationen aktueller künstlerischer Projekte in unabhängigen Räumen.

zwei Personen lachen Kurt Weidemann (Mitte) und Hans D. Christ

Es gibt aber auch ganz praktische Verbindungen: Über die Fragen zu Methoden des künstlerischen Archivierens hat Bauer den Kontakt zum Karlsruher Zentrum für Kunst und Medientechnologie (ZKM) und zum Studiengang Konservierung Neuer Medien und Digitaler Information an der Stuttgarter Kunstakademie gesucht und gefunden. Das ZKM ist mit der einzige Ort, an dem man derzeit Videobänder aufarbeiten kann, sagt sie – und verrät damit möglicherweise das Geheimnis ihres Erfolges und ihrer Beliebtheit. Ute Meta Bauer vermag es, trotz vieler kritischer Töne an den richtigen Stellen zu loben. Und Kontakte zu nutzen. Das für ihre Stuttgarter Jahre nach Eigenaussage geltende Motto Es gibt nichts Gutes, außer man tut es hat sie ins Hier und Jetzt hinübergerettet.

Wir danken den Stuttgarter Nachrichten und dem Autor Marko Schacher für den Text.

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