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Galerie Klaus Gerrit Friese

Gesprächsreihe »Über Kunst« – 5. Termin in der Galerie Klaus Gerrit Friese am Dienstag, den 23. Juni 2009 mit Dr. Marion Ackermann

Viel wird über die Bedeutung von Kunst in der Gesellschaft diskutiert. Unter dem Titel »Über Kunst« konzipieren wir in Zusammenarbeit mit den Stuttgarter Nachrichten eine eigene Veranstaltungsreihe.

Zu Gast war am 23.6.2009 Dr. Marion Ackermann, Direktorin des Kunstmuseums Stuttgart und von 1. September an der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf.

zwei Personen auf dem Podium vor einem Gemälde Nikolai B. Forstbauer im Gespräch mit Marion Ackermann (Fotos: Frank Kleinbach)

38 Jahre alt war Marion Ackermann, als sie im Jahre 2003 die Leitung der Galerie der Stadt Stuttgart übernahm – und damit auch die Verantwortung für den Neubau des Kunstmuseums am Schlossplatz. Das Selbstvertrauen für die Aufgabe hatte sie von ihrer früheren Station in München mitgebracht, wie im Über Kunst-Gespräch mit Nikolai B. Forstbauer, Kulturressortleiter der Stuttgarter Nachrichten, vor 150 Besucherinnen und Besuchern in der Galerie deutlich wurde.

Marion Ackermann gestikuliert Marion Ackermann

Die Arbeit im Lenbachhaus hat mich geprägt, sagt sie – auch für meinen Antritt in Stuttgart, in inhaltlicher, in ästhetischer und in programmatischer Hinsicht. Konkret heißt das: Die Forschungsarbeit war sehr intensiv, es mussten immer neue Wege der Präsentation gefunden werden. Und es gab große Freiräume für die Mitarbeiter des Hauses – man konnte daraus wirklich Eigenes entwickeln.

In Stuttgart hat sie dies weiter ausgebaut. Gerne erinnert sie sich daran, als im November 2007 Eleven der John-Cranko-Schule im Kunstmuseum zu den Bildern von Willi Baumeister tanzten. Baumeister als Bühnenbildner war das Thema – und Bridget Breiner vom Stuttgarter Ballett hat das präzise umgesetzt. Oder an die Gespräche mit Schaufensterdesignern anlässlich der ersten großen Einzelpräsentation des Werks von Josephine Meckseper im Juli 2007. Nicht zu vergessen Christian Jankowski, der per Losverfahren drei Monate alle Mitarbeiter des Hauses zum Rollentausch einlud. Das, gibt sie zu, hat uns an den Rand unserer Belastungsmöglichkeiten gebracht. Ackermanns Fazit: Kunstvermittlung ist Chefsache. Und sie funktioniert nicht nur intellektuell. Man muss sich auch Themen von außerhalb der Kunst nähern, beziehungsweise die Kunst muss sich den Themen von außerhalb nähern. So gab es eine Piktogramm-Ausstellung im Stuttgarter Flughafen, ein anderes Mal haben Schüler selbst einen Audioführer durch eine Ausstellung entwickelt.

Besucher des Vortrags sowie Gast und Galerist links: Marion Ackermann im Gespräch mit Ruth Diehl und Simone Schimpf | rechts: Klaus Gerrit Friese mit dem Sammler Rudolf Scharpff

Der Ruf, ein Haus zu öffnen, ist ihr nach Düsseldorf vorausgeeilt, und mancher befürchtete schon, die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen werde unter ihrer Leitung ein Ort des Ereignisses. Doch da ist Ackermann entschieden: Ich habe diese Diskussion dort gar nicht mitbekommen. Aber ich bin keine Frau von Events. Überhaupt halte ich nicht viel von Wiederholungen. Aber dann wägt sie auch wieder vorsichtig ab: Die Gemengelage in Düsseldorf ist derzeit schwierig. Es gibt dort eine Fraktion, die sich nach neuen Akzenten sehnt und nach mehr Avantgarde. Und es gibt Stimmen, welche die bisherige Konzeption und die von Werner Schmalenbach einst begründete Qualität des Hauses gefährdet sehen.

Blick durch das Fenster auf die Gesprächsteilnehmer

Wie will sie da nun was bewegen, gerade auch angesichts der Größe dieses Hauses? – Auch dieser Frage nähert sich Ackermann vorsichtig: Die Kunstsammlung kann man schon als Großtanker bezeichnen, und das hat gewisse Nachteile, insbesondere was die Spontaneität betrifft. Man muss sich da mit kleinen Schritten bewegen, indem man beispielsweise unkonventionelle Sichtweisen einbringt. Um dann selbstbewusst hinzuzufügen: Geben Sie mir zwei Jahre Zeit. Was sie konkret anders machen will in Düsseldorf und wie das aussehen soll, darüber hält sie sich in Stuttgart noch bedeckt, das will sie an ihrem neuen Arbeitsplatz erstmals Anfang September der Öffentlichkeit vorstellen. Aber zu einigen allgemeinen Bemerkungen lässt sie sich dann doch hinreißen, zumal ja auch schon heftig spekuliert wird. So freut sie sich auf das universitäre und künstlerische Umfeld (Das ist einfach toll. Ich bin gespannt auf neue Impulse und Überraschungen von außen) und auf den intensiven Dialog mit diesem. Und natürlich auf die Sammlung selbst: Sie ist einzigartig. Das ist etwas ganz Besonderes, umgeben von diesen Meisterwerken zu arbeiten.

drei Personen im Gespräch von links: Rudolf Scharpff, Marion Ackermann, Klaus Gerrit Friese

Warum also da nicht eine Otto-Dix-Retrospektive organisieren, wie einige Düsseldorfer Blätter bereits meldeten? Ackermann antwortet mit einer Grundsatzüberzeugung: Es ist schon komisch, alle erwarten von mir den großen Donner. Dabei waren doch alle großen Hauptwerke schon zu sehen. Mich interessieren da mehr die Nebenaspekte. Immer nur die Hauptwerke zu zeigen ist eigentlich langweilig. Ich bemühe mich da eher, dieses Best-of-Programm zu durchbrechen.

zwei Damen im Gespräch Christiane Friese (re.) im Gespräch mit Ursula Lauber-Stemmer

Dann skizziert sie doch ein Projekt, das unter ihr Realität werden könnte: Joseph Beuys, mit zahlreichen Hauptwerken prominent in der Düsseldorfer Sammlung vertreten – von jungen Menschen mit dem Blick von außen gesehen. Und mit Beuys ließe sich in Düsseldorf zugleich eine Lücke schließen, die es so in Stuttgart nicht gibt: die Performancekunst. Die Installationen von Beuys haben doch etwas sehr Theatralisches, da könnten doch wichtige Anstöße für eine noch zu entstehende Performanceszene gegeben werden.

drei Personen im Gespräch Marion Ackermann im Gespräch mit Ursula Sobek und Stefanie Schuster

Doch noch ist Marion Ackermann in Stuttgart und noch lange nicht am Ende ihrer Aktivitäten. Vom 11. Juli an zeigt das Kunstmuseum, dass es mit fast 400 Werken weltweit die größte Sammlung von Adolf Hölzels Schaffen besitzt. Ergänzt durch Leihgaben, ist unter dem Motto Kaleidoskop. Hölzel in der Avantgarde die bisher größte Ausstellung seines Schaffens in Stuttgart zu sehen. In Licht und Dunkel gibt es von 25. Juli an ein Wiedersehen in Stuttgart mit Ben Willikens Auseinandersetzung mit Leonardo da Vincis Abendmahl. Willikens als erstem Träger des Molfenter-Preises der Stadt Stuttgart im Jahre 1983 antwortet die aktuelle Preisträgerin, die US-Performancekünstlerin Joan Jonas. Von der langjährigen Professorin an der Stuttgarter Kunstakademie gibt es indes keine Ausstellung im Kunstmuseum zu sehen, sondern eine Performance im Schauspielhaus – am 21. und am 22. Juli.

Wir danken den Stuttgarter Nachrichten für den Text.

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